WIE ERLEBT DIE FAMILIE SCHNEIDER MIT DREI KINDERN DEN 2. LOCKDOWN?

Fussball-Eltern live: Wie erlebt die Familie Schneider mit drei Kindern den 2. Lockdown.

Hallo, kurz zu uns! Wir sind 5: Mama Daniela 41 Jahre, Papa Bastian 45 Jahre, Tochter Jamie Lee 13 Jahre, Sohn Jake 11 Jahre und Sohn Charlie 6 Jahre. Wir leben im schönen Erzgebirge und haben zum Glück ein Haus mit Garten. Unsere Kinder gehen in die 7. Klasse und 5. Klasse an einer Schule im Nachbarort. Der Jüngste hatte zwischen 1. und 2.Lockdown einen wunderschönen Schulanfang und besuchte bis November die 1. Klasse an einer Montessorischule.

Seit November sind unsere Kinder nun schon daheim: November, weil wegen Corona positiv getesteten Lehrern bereits vor dem 2. Lockdown die Schulen geschlossen wurden. Wir sind eine recht aktive Familie “im normalen Leben“ mit einem liebenswerten und weitläufigen Freundeskreis, sind gern im Skiurlaub, haben jede Ferien zur Erholung mit unseren Kindern voll ausgenutzt. Morgen wären wir zum 6. Mal in ein schönes Appartementhaus in die Steiermark gefahren mit weiteren 3 Familien – unseren Freunden. Eine Woche Skispass, Sonne, Schwimmbad, Sauna und viel gemeinsamer Zeit, um Kraft zu tanken und um sich zu erholen. Die Zeit haben wir gemeinsam aktuell ebenso, wenn auch anders und nur daheim oder im Umkreis von 15 km!

Irgendwie kann man diese Zeit aber nicht oder kaum nutzen. Uns fehlt kurz gesagt aktuell allen der Antrieb und die Tage verrinnen trotzdem. Wenn nun am Montag wieder 128 Seiten zum Ausdrucken hochgeladen werden – geht es wieder los. Sortieren, verteilen, mit den Jungs hinsetzen und täglich viele Stunden erklären, lernen, motivieren, trösten, erarbeiten und erörtern. Manchmal auch mit viel Diskussion und jeder Menge Fragen, die natürlich auftauchen: Neuer Schulstoff oder Buchstaben, die der Kleinste nun mal noch gar nicht gelernt hatte. Wir versuchen abwechselnd viel Zeit für alle drei aufzubringen.

An die Arbeit im Geschäft ist da erst am Nachmittag zu denken. Mein Mann und ich sitzen dann meist bis abends im Büro. Da wir selbständig sind, haben wir alles bei uns im Haus, aber auch hier verändert sich gerade vieles und zehrt zusätzlich an den Nerven.

Unseren Ausgleich, für uns als Paar den gibt es so nicht mehr. Ob Badminton im Verein 2x in der Woche für meinem Mann, dienstags Männerrunde, unsere Besuche beim Griechen oder Italiener – einfach abends mal los laufen oder einzelne Wochenenden bei Konzerten oder Erlebnissen mit Freunden verbringen. Die Kinder genossen diese Zeit mit ihrer Tante oder der Oma und ließen sich von ihnen gern bespaßen.

Man steckt zurück und hofft, dass es alsbald wieder besser wird. Unsere Kinder verändern sich. Passen sich der Situation an. Klar versuchen wir, mit einzelnen Besuchen bei Freunden die Normalität zu erhalten und versuchen so gut es geht, nicht unseren eigenen Unmut und teilweise auch die Angst, wie es weiter geht oder wann das alles ein Ende hat, zu übertragen. Das gelingt aber leider nicht immer.

Am schlimmsten empfinden wir das Verbot des Vereins-Trainings! Kein Punktspiel, keine Turniere. Wöchentlich 2 oder 3 mal Training war im „normalen“ Alltag auch schwierig zu organisieren und doch sehnen sich alle diese Zeit unheimlich zurück. Es ist ja nicht nur der sportliche Ausgleich – sondern auch die Teamzugehörigkeit, die Späße auf dem Fußballplatz, die Samstage früh aufstehen und das Losflitzen zum Spiel. Die Wochenenden waren dann geprägt – entweder vom Sieg oder der Niederlage.

Der Kontakt zu den Teams bricht nicht komplett ab, man merkt aber, dass das tägliche Training im Garten, was immer so wichtig für beide Jungs war und Spaß und Freude gebracht hat: Dazu besteht jetzt kaum mehr Lust und der Sinn hierfür fehlt. Gerade unser Jake, der schon viele Spiele und Turniere erlebt hat, braucht seine Jungs, das Team, den Trainer und will sich gemeinsam austoben und trainieren. Jake spielt bereits seit er 4 Jahre alt ist Fußball im Verein, 3-4 Feriencamps im Jahr, das ist sein idealer Ausgleich. Er hatseitdem kaum ein Training oder Spiel versäumt. Charlie ist 2019 mit 5 Jahren bei den Bambinis gestartet. Er hatte genau 2 Turniere!!!! Er meinte letztens: „Mama, ich will endlich mal wieder auf den Platz, gegen andere Teams antreten , Tore schießen. Wann wird denn das wieder erlaubt sein?

Und wir stehen da und haben leider keine Antwort. Als Bayern Fans machen uns sogar die Spiele im Fernsehen keinen Spaß mehr. Warum dürfen die denn spielen? Und wir nicht? Auch darauf haben wir keine Antwort.

Unsere Tochter hat das Glück, dass die Pferde ja trotzdem versorgt werden wollen. Sie hat vor einem halben Jahr mit dem Reiten bei Freunden in der Nachbarschaft begonnen. Das darf sie aktuell zwar nicht, aber sie geht zweimal die Woche hin und hilft im Stall. Man sieht, wie gut ihr diese Abwechslung tut. Und wenn diese drei Kinderlein in ihren Zimmern sitzen, über den Hausaufgaben oder dem Online Unterricht, jedoch dann zu uns kommen und sagen: „Bitte – ich will endlich wieder in die Schule. So richtig, ohne Maske und mit allen was dazu gehört – auch Sport und singen, ohne auf Lieder trällern zu verzichten, weil sonst zu viele Aerosole rumfliegen könnten.“ Dann ist doch alles gesagt! 😔

Klar mussten Entscheidungen her, und es gibt für den ein oder anderen aktuell „schlimmeres im Leben“. Jedoch ist es an der Zeit, das für und wider genauer zu betrachten. Die weitreichenden Folgen dieses langen Lockdowns und die negativen Stimmen werden zum Glück inzwischen lauter und offener diskutiert. Wir bitten und hoffen, dass endlich alles intensiv und reell und nicht nur durch Zahlen und irgendwelche neuen Mutationen von der Regierung abgewägt wird. Ob demnächst Geschäfte und Firmen zugrunde gehen, Eltern ihre Jobs verlieren, sozial schwache Familien mehr Hilfe erfahren und dass alle unsere Kinder nicht ihre sozial erlernten Kompetenzen langsam aber sicher wieder verlieren und lust- und mutlos dabei werden. Man hat langsam das Gefühl, dass man dies mit all seiner Hoffnung und den positiven Gedanken und Handeln leider nicht mehr abwenden kann. Ich spreche hier auch im Namen vieler Freundinnen und Freunden, die es genauso empfinden und täglich werden es mehr.

Liebe Kinder, liebe Freunde, liebe Eltern, liebe Vereine, liebe Schulen haltet durch und helft Euch gegenseitig so gut es geht! In dieser bescheidenen Zeit. Nach Regen kommt Sonne,

Herzlichst Familie Schneider

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