VON DER KREISSTAFFEL IN DIE B-JUNIORINNEN BUNDESLIGA – EIN WAHRER TRAUM

In einer württembergischen Kleinstadt von etwa 10.000 Einwohnern im Osten von Stuttgart ereignete sich für das Team rund um Paulina (Jahrgang 2004, siehe Foto) in den vergangenen Jahren ein kleines Wunder. Warum? Lest selbst.

In der D-Jugend war noch vieles normal: Paulina trainierte mit ihrem Team vom FC Donzdorf zwei bis dreimal in der Woche. Am Ende der Saison in der Kreisstaffel war ihr Team sogar so erfolgreich, dass sie den ersten Platz einnahmen. Aber nicht nur der erste Platz war das besondere, sondern die Art und Weise, wie sie ihre Staffel damals dominierten: 10 Spiele, 10 Siege bei einem Torverhältnis von 52:3 Toren. Dass es eine Mannschaft mit hohem Potential war, zeigte sich auch darin, dass das Team zum einen den Bezirkspokal gewann und – was noch viel bemerkenswerter war – in der Hallenrunde sogar Württembergischer Hallenmeister wurde.

Nach der Saison 2015/2016 war die Sorge groß, dass viele talentierte Mädchen größere Herausforderungen in anderen Vereinen suchen würden. Deshalb wurden die Weichen neu gestellt: Die damals verantwortlichen Jugendleiter und Trainer hatten die sehr mutige Idee, die eigentlich nun in die C-Jugend kommenden Mädchen gleich bei den B-Juniorinnen als 11er Mannschaft zu melden. Als Fernziel wurde damals die Oberliga ausgegeben, was von vielen für realistisch gehalten wurde.

Im neuen B-Juniorinnen Team fanden sich schließlich nicht nur die 2004er wieder, sondern auch die älteren Jahrgänge aus 2003 und 2002 wurden miteingebunden. Das war schon ein „krasses“ Projekt, bedenkt man, dass das Team von Paulina teilweise auf 4 Jahre ältere Gegnerinnen treffen würde. Im Verein und bei den Eltern waren damit natürlich nicht alle einverstanden. Aber schon nach dem ersten Spiel, dass sie mit 13:0 gewonnen haben, waren auch die letzten Skeptiker überzeugt, dass das doch wohl die richtige Entscheidung war. Das Team marschierte souverän durch die Runde und beendete die Saison auf Platz 1 der B-Juniorinnen Bezirksstaffel. Am Ende folgten die Aufstiegsspiele zur Verbandsstaffel: Auch diese wurde souverän gewonnen. Aufstieg!

In der folgenden Saison 2017/2018 war die Zielsetzung „oben mitzuspielen“. Dieses gelang sogar besser als erwartet: Gleich die ersten beiden Spiele konnten deutlich mit 7:1 und 4:0 gewonnen werden. Am Ende der Saison belegte das Team tatsächlich auch hier den ersten Platz. Da der Gegner bei den Aufstiegsspielen zurückzog, rückten sie automatisch in die Oberliga auf. Unglaublich: Das vor zwei Jahren gesteckte Ziel „Oberliga“ wurde schneller erreicht als gedacht. Daneben zeigte das Team ihre ganze Klasse in der Halle, wo der 2004-er Jahrgang um Paulina als C-Jugend antrat und als frisch gebackener Süddeutscher Meister den sensationellen 3. Platz bei den Deutschen Hallenmeisterschaften (mit Futsal-Regeln) belegen konnte.

In der neuen Saison musste man sich an längere Fahrten und stärkere Gegnerinnen gewöhnen. Auch das steckte das Team mit Bravour weg und platzierte sich sogleich oben in der Tabelle. Nach elf Spielen stand das Team mit 30 Punkten und 48:5 Toren auf dem ersten Tabellenplatz. Unglaublich! Dann wurde die Saison coronabedingt beendet: Wahnsinn! Das Team um Paulina stand als erster Aufsteiger in die B-Juniorinnen Bundesliga fest. Ein Traum wurde wahr: Jeder wusste nun, dass in der neuen Saison Teams wie die Bayern, die TSG Hoffenheim und die Eintracht aus Frankfurt nach Donzdorf kommen würden. Welche spannende Aufgabe!

Der Start in die Bundesligasaison war allerdings schwer: Doch nach vier Niederlagen fing sich das Donzdorfer Team und konnte noch vor dem Lockdown im November 2020 zwei Spiele gewinnen und sich damit von den Abstiegsrängen befreien.

Egal wie die Saison nun zu Ende geht, ist die Hoffnung in Donzdorf groß, dass viele dieser Mädchen auch im Aktiven Bereich zusammenbleiben und dann vielleicht ein zweites Mal Geschichte schreiben. Bislang haben sie nur eine Spielerin verloren, die in die Nachwuchsabteilung des SC Freiburg gewechselt ist.

Wodurch wurde dieser Traum für das Donzdorfer Team und insbesondere für Paulina wahr?

Was „braucht“ man?

Zunächst sicherlich ein sehr gutes Trainerteam, das modern ausbildet. Dann braucht es ein Team von Spielerinnen, das gemeinsam durch „dick und dünn“ geht und sich positiv und motiviert den jeweiligen Aufgaben stellt. Zudem ist bestimmt auch der ein oder andere Leistungsträger wichtig, der sich aber als Teil des Teams sieht und nicht als „Superstar“. Der Verein muss natürlich auch mitspielen und die jeweiligen Ressourcen (Gelder, Trainingsmöglichkeiten, etc.) zur Verfügung stellen. Aber auch die Eltern der Spielerinnen, die es ihren Kindern ermöglicht haben, diese Wunder zu erleben, spielen eine ganz entscheidende Rolle: Die Eltern als Fahrer zum Training und zu unzähligen Turnieren und Spielen; die Eltern als Fans am Spielfeldrand und als Motivator; die Eltern, die auch mal kleinere Verletzungen behandeln oder sich um die Ernährung kümmern.

Und was noch? Viel Spaß und eine riesige Portion Glück gehört auch dazu. Passt dann wirklich alles zusammen, dann kann man, wie das Team von Paulina, tatsächlich Geschichte schreiben. Gratulation!

Wenn Ihr auch etwas Ähnlichen berichten könnt und wollt, schreibt uns einfach unter info@fussball-eltern.de.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Blog. Setzte ein Lesezeichen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.