SCHIEDSRICHTER – FREUND ODER FEIND?

Letzte Spielminute: Beim Spielstand von 1:1 dribbelt die 13-jährige Lena in den Strafraum und kommt zu Fall. Der Schiedsrichter pfeift sofort und entscheidet auf Strafstoß. Sofort kochen die Gemüter: einige gegnerische Spielerinnen rennen auf den Schiedsrichter zu, der Trainer und die anwesenden Eltern können es nicht fassen und geben Kommentare in Richtung Schiedsrichter. Ein Papa hat die Szene zufällig gefilmt und schreit: „Schiri, kannst nachschauen, war kein Foul!“. Bis sich alle wieder beruhigt haben, dauert es ganze Weile. Schließlich wird der Strafstoß ausgeführt: Tor! Gleich im Anschluss pfeift der Schiedsrichter die Partie ab, schnappt sich zügig den Ball und flüchtet unter bösen Beschimpfungen seitens der unterlegenen Mannschaft in die Kabine.

Alltag oder Ausnahme?

Sicherlich ereignen sich solche oder ähnliche Situationen an jedem Wochenende auf irgendeinem Fußballplatz. Klar ist, dass unser Fußball – und egal ob Kinder- Jugend- oder Erwachsenenfußball – mit sehr vielen Emotionen verbunden ist. Die Emotionen der Spieler und der Zuschauer am Spielfeldrand gehen von überschwänglicher Freude und Begeisterung bis hin zu Ärger, Wut und Enttäuschung. Allerdings gibt es ganz klare Grenzen, die wir alle unbedingt berücksichtigen sollten. Freude und Begeisterung sollte dort enden, wo Fanatismus beginnt. Ärger und Enttäuschung dort, wo jemand beleidigt wird.

In der G- und F-Jugend wird schon seit Jahren im Rahmen des FAIR-PLAY ohne Schiedsrichter gespielt – und das mit großem Erfolg? Wie sind Eure Erfahrungen?

Ab der E-Jugend wird dann die Position des Schiedsrichters entweder vom vereinsangehörigen Trainer oder Betreuer oder teilweise sogar von einem fußballerfahrenen Elternteil der Heimmannschaft besetzt. Das kann schon mal recht brisant sein. Ab der D-Jugend leiten dann offizielle Schiedsrichter die Spiele. Hier werden in der Regel sehr junge, frisch ausgebildete Schiedsrichter eingesetzt.

Sollten wir da nicht als Eltern gemeinsam mit den Trainern vorangehen und es wertschätzen, dass diese, teils noch Jugendlichen, sich überhaupt trauen, als Schiedsrichter zu fungieren? Jeder macht Fehler und sieht nicht immer alles. ABER jeder gibt immer sein Bestes: Spieler, Trainer und genauso die Schiedsrichter. Auch wenn man als Fan am Spielfeldrand oder als gegnerischer Spieler auf dem Feld schon mal das Gefühl hat, der Schiedsrichter würde immer nur zugunsten der Heimmannschaft pfeifen, so sollten wir uns gerade dann daran erinnern, dass wir Fußball-Eltern genau in solchen Situationen VORBILDER für unsere Kinder sein sollten! Gleiches gilt natürlich auch für die Trainer. „Meckern“ wir Fussball-Eltern Richtung Schiedsrichter, so ist es doch ganz klar, dass unsere Kinder auf dem Platz das Gleiche tun. Komplette Gerechtigkeit, die unseren Vorstellungen entspricht, wird es nie geben.

Daher sollten wir versuchen, gerade in solchen „ungerechten“ Situationen, den SPORTSGEIST walten zu lassen: nämlich FAIRNESS und RESPEKT – auch wenn es sicherlich manchmal verdammt schwerfällt. Unsere Kinder schauen sich alles bei uns ab – lasst sie die guten Dinge abschauen!

Was sind Eure Erfahrungen?

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