INDIVIDUELLE (ÜBER-)FÖRDERUNG IM KINDER- UND JUGENDFUSSBALL

Luis (11) trainiert zwei-drei Mal in der Woche in seinem Heimatverein und ist ein großes Talent. Für sein Alter hat er bereits eine sehr gute Technik und trifft in den Spielen wie am Fließband. Zahlreiche Einladungen zu Probetrainings von höherklassigen Vereinen und einem Nachwuchsleistungszentrum hat er bereits erhalten, doch spielt er weiterhin in seinem Heimatverein, weil er sich hier mit seinen Freunden im Team so gut versteht und Riesenspaß hat. Sein Bruder Paul (13) ist Torspieler, hat Spaß mit seiner Mannschaft zu trainieren und am Wochenende zu spielen. Zusätzlich nimmt er einmal pro Woche am Torspielertraining vom Verein teil, welches der erfahrene Torspieler der Ersten leitet.

Sollte an dieser Situation etwas geändert werden?
Als Eltern macht man sich sicherlich Gedanken, ob Luis zusätzlich gefördert werden soll. Man könnte darüber nachdenken, ob Luis den Verein wechseln sollte. Aber das scheint er nicht zu wollen, da er in seinem derzeitigen Verein glücklich zu sein scheint. Sollte man nun als Eltern versuchen, ihn dennoch Richtung mehr „Leistungssport“ zu bewegen? Wenn Luis keinen Vereinswechsel möchte, wie könnte man ihn dennoch fördern?
Zunächst ist es wichtig, auf Luis zu hören: Es ist sein Hobby und er hat Spaß daran. Er hat sicherlich Talent, das man fördern könnte. Vielleicht sogar sollte? In erster Linie ist wichtig, dass Luis stets einverstanden ist, mit dem, was mit ihm geplant wird.

Zum einen könnte man daran denken, über eine Fußballschule ein zusätzliches wöchentliches Einzeltraining zu buchen. Auch denkbar wäre, dass er in seinem Verein bei einem älteren Jahrgang mittrainiert und mitspielt, um so mehr gefordert zu werden. Das „Problem“ hierbei: Er spielt nicht mehr mit seinen Freunden in derselben Mannschaft. Vielleicht kennt er auch bereits den ein oder anderen Spieler des älteren Jahrgangs. Das würde ihm der Mannschaftswechsel etwas erleichtern. Wie seht ihr das? Ist ein Wechsel zu dem älteren Jahrgang eine sinnvolle Alternative?

Eine andere Lösung ist: Einfach abwarten und beobachten, wie er sich in seiner aktuellen Mannschaft entwickelt. Ab der U12 beginnt außerdem das sogenannte DFB-Stützpunkttraining. Wenn er daran teilnehmen darf und er auch hier Spaß hat, dann ergibt sich vielleicht einiges bereits von selbst. Als Eltern ist es manchmal ganz wichtig, einfach GEDULD mitzubringen und sein Kind nicht zu überfordern.

Es gibt leider Fälle, da haben es die Eltern „drauf angelegt“, und ihr Kind 1-2 pro Woche zusätzlich zum DFB-Stützpunkttraining in eine Fußballschule geschickt. Summiert mit den Trainingseinheiten, Spielen und Turnieren bedeutet das dann: 7 Tage die Woche Fußball – für das Kind. Leider machen das Kinder teilweise nur mit, weil sie ihre Eltern nicht enttäuschen wollten. Der Wille zur Förderung darf nicht ausschließlich von den Eltern kommen, sondern primär vom Kind! Das Wohl des Kindes steht stets im Mittelpunkt. Ansonsten sind überforderte Kids nach ein bis zwei Jahren völlig ausgebrannt und hören mit dem Fußball auf…  

Nein, Bruder und Torspieler Paul haben wir nicht vergessen. Er ist im Tor und bekommt einmal in der Woche Torwarttraining. Er sieht glücklich aus und scheint so in seiner jetzigen Situation äußerst zufrieden zu sein. Ist das Kind glücklich, sind wir es zumeist auch. Falls das Torwarttraining nicht „modern“ ist (für uns Eltern teilweise sehr schwer zu beurteilen), sollten wir vielleicht gemeinsam mit dem Verein und Paul überlegen, wie man es verbessern könnte – eventuell durch Hinzunahme einer professionellen Torwartschule. Das aber kostet wiederum Geld, was der Verein vielleicht nicht hat.

Habt Ihr das Gefühl, dass Ihr Euer Kind manchmal überfordert? Und: Was ist für Euch das Wichtigste bei Eurem Kind, wenn es Fußball spielt? Denkt einfach mal darüber nach…

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