EIN SPIELERPAPA ALS TRAINER – OB DAS GUT GEHEN KANN?

„Papa, wieso wirst Du nicht unser Trainer? Du hast doch früher auch gut Fußball gespielt“, so der achtjährige Mike zu seinem Papa. „Ach weißt Du, ich weiß nicht, ob das gut geht“, antwortet ihm sein Papa.  

Viele von uns kennen sicherlich diese Situation, dass der Papa oder auch die Mama eines Mädchen bzw. eines Jungen die Mannschaft trainiert. Ja, aber warum? Zunächst einmal plant sicherlich keiner dieser Eltern von vornherein, die Mannschaft des eigenen Kindes zu trainieren. Hauptgrund ist schlichtweg oft der, dass sich gerade im Bambini-, Knirpse- oder F-Jugend-Bereich kein „geeigneter“ Ausbilder findet, der bereit ist, zweimal in der Woche mit den Kindern zu trainieren. Daher möchten wir zunächst denjenigen Eltern Respekt zollen und danken, dass sie dazu überhaupt bereit sind. Zudem sind diese Trainerpapas oder Trainermamas stets hochmotiviert, so dass sie viel Initiative und Zeit beim Training und bei der Trainingsplanung hineinstecken. Aber auch bei der im Hintergrund ablaufenden, für viele meist nicht sichtbaren, zeitlich intensiven Organisation engagieren sie sich stark. Dafür an dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN! Ohne Euch würde es viele Jugendteams einfach nicht geben und viele Kids könnten nicht im Verein Fußball spielen.   

Natürlich ist die Kombination Papa/Mama als Trainer des eigenen Kindes auch mit Konflikten verbunden. Grundsätzlich nehmen sich alle Eltern-Trainer vor, alle Kids gleich zu behandeln. Aber geht das in der Praxis denn auch so einfach wie es in der Theorie von den Lippen geht? Manchmal leidet darunter sogar das eigene Kind des Trainers mehr als alle anderen. Denn unbewusst erwartet der Trainerpapa mehr von seinem Kind als von seinen Mitspielern. Dadurch entseht die Gefahr, dass sich das eigene Kind vielleicht unter immensen Druck setzen könnte. 

Aber auch im Mannschaftsgefüge ist es für eine solche Trainer-Sohn-Konstellation schwer, wenn vor allem das Kind des Trainers beispielsweise mehr Spielzeiten bekommt als andere – und vor allem dann, wenn das eigene Kind nicht zu den leistungsstärkeren Spielern des Teams zählt. Hier gehen die Meinungen unter den Eltern der Mannschaft schnell auseinander und der Stress ist vorprogrammiert. Das mag auch daran liegen, dass die Beurteilung der Leistungsstärke unserer Kinder immer eine subjektive ist. Die persönlichen Gefühle bleiben hier nicht verborgen.

Im unteren Altersbereich überwiegt am Ende aber die Not des Vereins bei der Trainersuche, dass es halt auch keinen anderen Trainer gibt als vielleicht den Vater von Mike. Im Altersbereich bis U13 (Ende D-Jugend) wird es mehr Konfliktpotential geben, da auch die Spieler mündiger werden und vielleicht anfangen, dieses kritisch zu sehen. Aber wie gesagt, es gibt viele Beispiele, bei denen es auch sehr gut funktionieren kann!

Im Bereich ab der C-Jugend, vor allem im leistungsorientierten Bereich sollten Trainerstellen in der Regel besser nicht mehr durch Eltern aktiv spielender Kids besetzt werden; ansonsten sind Konflikte hier vorprogrammiert. Ein Trainerpapa oder Trainermama kann noch so oft beteuern, dass sein Kind gleich wie alle anderen Kids behandelt wird. Doch steht für ambitionierte Trainerpapas/-mamas das eigene Kind, gerade wenn es leistungsorientiert Fußball spielt und weiterkommen will und aus Elternsicht dementsprechend auch soll, immer im Vordergrund und sie werden es „unbewusst“ bevorzugen und damit die anderen Spieler nicht gerecht behandeln. Davon kann sich auch ein „perfekter“ Trainerpapa nicht befreien.

Im oberen Bereich der B-/A-Jugend sowie im Aktivenbereich sind diese Konstellationen aus gutem Grund kaum anzutreffen. Zumindest dann, wenn leistungsorientiert gespielt wird.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wann sollte ein Trainerpapa/Trainermama aufhören, seinen Sohn/Tochter zu trainieren? Bis zu welchem Alter?

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