CORONA VERÄNDERT EINIGES, AUCH DIE KOMMUNIKATION!

Ein Gastbeitrag von Susanne Amar

Tipps für Eltern & Trainer*innen, um miteinander im Gespräch zu sein

Der 2. Lockdown bringt den Kinder- und Jugendfußball wieder zum Stillstand. Kein Spiel, kein Training, kein gemeinsames Kicken für Trainer*in und Spieler*in, kein Fahrdienst, kein Anfeuern, kein Trikotwaschen für die Eltern.

Im letzten Jahr hat sich gezeigt, wie stark der Fußball neben dem sportlichen Aspekt auch sozial geprägt ist. Wie sehr nicht nur der Sport vielen Kindern und Jugendlichen fehlt, sondern auch die Gemeinsamkeit, Zusammengehörigkeit und Nähe.

Durch den mangelnden Kontakt auf und neben dem Platz wird die Kommunikation der Trainer*In, Spieler*in und Eltern untereinander umso wichtiger. Wenn der Sport nicht mehr gelebt werden kann, ist das Gespräch das, was uns in Verbindung bleiben lässt. Gerade jetzt ist es hilfreich, sich dem bewusst zu sein und achtsam miteinander umzugehen. Denn die ungewohnte Situation macht uns empfindlicher, dünnhäutiger, sensibler, viele sind gestresst, gefrustet, genervt. Wir wünschen uns alle generell – und jetzt ganz besonders – einen wohlwollenden Umgang miteinander.

Wie kann der nun aussehen?

In diesem Beitrag möchte ich Dir – Eltern und Trainer*in – ein paar Impulse an die Hand geben, die die Kommunikation miteinander gelassen und auch anders macht. Hierbei geht es darum, welche Dinge können wir aktiv mitgestalten, wie können wir uns der aktuellen Situation anpassen und was kann die zweitbeste Lösung sein. Denn egal was wir machen, es kann das Training, Spiel und Beisammensein nicht ersetzen.

Ich weiß, dass gerade der Dialog zwischen Eltern und dem Trainer*in ihres Kindes nicht immer entspannt verläuft, bisweilen auch gar nicht vorhanden ist. Das heißt jedoch nicht, dass das so bleiben muss. Auch jetzt auf Distanz gibt es Möglichkeiten, an dem bestehenden Miteinander zu arbeiten oder eine Basis zu schaffen, dass ein Dialog entstehen kann. Egal, wo Du stehst, lass Dich inspirieren und vielleicht ist auch für Dich etwas dabei, was Du bisher noch nicht ausprobiert hast.

Für Eltern

Als Vater oder Mutter stehst Du derzeit vor vielen Herausforderungen. Homeoffice, Kurzarbeit, Verlust der Arbeitsmöglichkeiten durch den Lockdown, Homeschooling, finanzielle Engpässe oder Sorgen um Familienmitglieder … Und gleichzeitig steht jedoch mehr denn je die Betreuung Deines Nachwuchses im Focus.

1. Ohne Fußball fehlt etwas!

Auch wenn Du – außerhalb von Corona – oftmals genervt davon bist, Dein Kind zum Training zu fahren, am Wochenende bei schlechtem Wetter auf dem Platz zu stehen oder schon wieder den Trikotsatz der ganzen Mannschaft zu waschen, merkst Du spätestens seit dem Lockdown (aufgrund der Jahreszeit aktuell noch mal mehr), wie viele positive Aspekte der Kinder- und Jugendfußball mit sich bringt. Dein Kind ist beschäftigt, körperlich aktiv, an der frischen Luft, Teil einer Mannschaft, erlernt neben Fußball viele soziale Kompetenzen, hat Spaß, einen perfekten Ausgleich neben den langen Schultagen, etc.

In diesen Tagen merkst Du, wie sinnvoll der Sport ist. Durch diese etwas andere Haltung ändert sich oftmals auch die Haltung zum Trainer*in. Denn es verdeutlicht nochmals, wie wichtig er/sie ist, damit Dein Sohn oder Deine Tochter Fußball spielen kann.

2. Was möchte Dein Kind?

Frage Dein Kind, wobei Du es unterstützen kannst, was es machen möchte und höre zu, was es Dir erzählt. Bereits im Kinderfußball-Alter ist das sehr gut machbar, und Kinder haben oftmals Ideen, die Dich vielleicht auch überraschen werden.

Gleichzeitig kannst auch Du Angebote machen. Hat Dein Kind z. B. einen Trainingsplan, dann schau, ob Ihr Euch an bestimmten Tagen verabredet, gemeinsam zu trainieren. Ich erinnere mich an die Zeiten, in denen unser Sohn verletzt war. Da gab es meistens Hausaufgaben vom Physio, die nicht immer gern gemacht wurden. Damit es für ihn nicht so langweilig war, bin ich mit ins Reha-Training eingestiegen. Und es gab viele lustige Momente, wenn es darum ging, wer z. B. die meisten Wiederholungen schafft. Vielleicht neben Homeschooling etwas, was Dir und Deinem Kind ein bisschen Abwechslung und Spaß in den Alltag bringt.

3. Sag, was Du brauchst!

Da die Kommunikation zwischen Eltern und Trainer*in nicht einseitig ist, kannst auch Du beim Coach der Mannschaft nachfragen, wie die aktuelle Zeit gestaltet, ob es Trainingsaufgaben geben wird und darauf hinweisen, dass Ideen zu sportlichen Aktivitäten wünschenswert sind, da Dein Kind gerne etwas machen möchte. Gehe wohlwollend auf ihn/sie zu, nicht mit dem Anspruch, er/sie muss doch von sich aus kommen und ein Angebot machen, sondern bedenke, dass die Situation auch für ihn/sie neu ist, einige womöglich auch noch unerfahren sind und ihnen Ideen, Impulse, Pläne, etc. fehlen.

4. Unterstütze den Trainer*in

Falls Du z. B. technische und zeitliche Kapazitäten hast, biete dem Trainer*in Deines Kindes Deine Hilfe an. Ist er/sie zeitlich eingeschränkt, könntest Du z. B. die Trainingspläne verschicken, ZOOM-Meetings organisieren, Videos hochladen, etc. Ein Trainer aus meinem Netzwerk, der nicht so vertraut mit ZOOM ist, erhält regelmäßig von der Mutter eines Spielers technischen Support, in dem sie während des virtuellen Meetings mit der Mannschaft die entsprechenden Videos freigibt. Klappt super und alle sind happy!

Für Trainer*in

Viele Eltern wissen wenig über das Hobby ihres Kindes. Je transparenter Du sie mit Informationen versorgst, desto kompetenter können sie ihr Kind begleiten, werden sie für Dich zu einem Gesprächspartner auf Augenhöhe und vertrauen Dir und Deinen Entscheidungen. Die Basis, um den Umgang miteinander entspannt und stressfrei zu machen. Und auch während Corona gibt es Wege, daran zu arbeiten.

1. Mach Deine Arbeit transparentDie Situation ist für Dich genauso ungewohnt und neu wie für Deine Spieler*innen und ihre Eltern. Viele sind in Sorge, wie es weitergeht. Um beiden die Unsicherheit zu nehmen, informiere sie darüber, was Du vorhast (auch wenn es aufgrund der Beschränkungen nur für die nächsten Wochen ist). Wird es Trainingspläne von Dir geben? Möchtest Du Dich über ZOOM, Teams, etc. regelmäßig austauschen? Kannst Du ein Einzeltraining für die Spieler*in zu bestimmten Zeiten anbieten? Oder wird es während des Lockdowns keinen Austausch geben, solange kein Training und Spiel stattfinden.

Je transparenter Deine Informationen sind, desto besser werden sie von Deinen Spielern*innen und ihren Eltern verstanden und akzeptiert.

2. Wobei kannst Du helfen?Frage bei den Eltern und Spieler*innen nach, ob Du sie unterstützen kannst und wobei. Viele Eltern machen selten die Erfahrung, dass der Trainer*in proaktiv auf sie zu geht, wenn es nicht um Mitgliedsbeitrag und Kuchenspende geht. Nutze den Moment zu einem Konter, überrasche sie und schaffe dadurch eine Atmosphäre, die durch Anerkennung und Gemeinsamkeit geprägt wird. Das Gleiche gilt für Deine Spieler*innen. Höre ihnen zu, nutze die trainingsfreie Zeit beispielsweise für Gespräche, die sonst im laufenden Trainingsbetrieb zu kurz kommen.

3. Hole Dir Unterstützung bei Trainerkollegen*innenWenn Du nicht weißt, wie das virtuelle Training oder der Austausch mit den Eltern aussehen kann oder Dir Impulse fehlen, frag Deine Trainerkollegen*innen, schließ Dich Trainer-Gruppen, z. B. auf Facebook an, suche Dir Gleichgesinnte zum regelmäßigen Austausch, etc.

Du kannst auch Deine Spieler*innen in Deine Planung einbeziehen. Frag sie, welche Übungen sie machen, was sie gerne lernen möchten oder lass sie einen Trainingsplan (mit-) entwickeln. Das erhöht ihre Selbstwirksamkeit, gibt ihnen in Zeiten von Corona das Gefühl, etwas aktiv mitgestalten zu können und es stärkt Euer Gemeinschaftsgefühl.

4. Nutze die virtuelle KommunikationWenn wir etwas Positives aus der Corona-Zeit mitnehmen, ist es die Flexibilität virtueller Zusammenkünfte. ZOOM, Teams, FaceTime, Skype und diverse andere virtuelle Räume lassen uns auf Abstand beieinander sein. Auch das ist eine gute Möglichkeit, mit Eltern in Kontakt zu treten.

Je besser vor dem Lockdown die Beziehung und Kommunikation zueinander war, desto leichter fällt jetzt der veränderte Kontakt. Aber auch für die, die bisher mit ihren Spielereltern wenig direkten Austausch hatten, eröffnet diese Form Möglichkeiten. Wenn Du es bisher noch nicht gemacht hast, veranstalte doch mal einen Elternabend, statt Infos per Mail oder WhatsApp zu verschicken wie bisher. Oder biete Elterngespräche an, zu denen Du in Deinem Trainingsalltag nicht kommst. Überlege einfach, wo und wie Du den schriftlichen Informationstransfer durch einen virtuellen Austausch ersetzen kannst. Und keine Sorge – gut vorbereitet und strukturiert geht das hervorragend.

5. Alles kann, nichts muss. In der momentanen Situation ist erlaubt, was gefällt. Es sollte daher jedem Spieler*in freigestellt sein, ob er/sie z.B. den Trainingsplan durchläuft, an der Challenge teilnehmen oder im ZOOM-Meeting dabei sein möchte. Gleiches gilt für die Eltern. Die, die Deinen Angeboten nicht folgen können oder wollen, sollten deswegen nicht ausgeschlossen werden.

Auch Du solltest nur das machen, was Du für Dich gut umsetzen kannst. Aktuell gibt es schon genügend Anforderungen, um den Alltag zu meistern, dass es keinen weiteren Druck aus dem Kinder- und Jugendfußball braucht. Für niemanden.

Wie hältst Du den Kontakt mit den Spielereltern bzw. dem Trainer*in Deines Kindes?

Willst Du mehr zu mir und meiner Arbeit wissen, lade ich Dich ein, meine Homepage zu besuchen – www.susanne-amar.de

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